Nachdem ich “Outer wilds” gespielt habe, war ich- wie die meisten, die es gespielt haben- vollkommen baff (im positiven Sinne) und gleichzeitig voller Fragen. Eine und damit gleichzeitig die größte dieser Fragen drehte sich um das “Eye of the universe” (das Auge des Universums). Wenn das “Eye of the universe” vor dem Universum da war und es an der Kreation des neuen Universums sowie jedes anderen, vorher dagewesenen Universums beteiligt war, lässt sich das “Eye of the universe” als eine Art Gott definieren? Und daran knüpft die Frage an, was einen Gott eigentlich ausmacht und wodurch sich sagen lässt, ob es sich bei einer Form von Entität um einen Gott handelt oder nicht. Aus diesem Grund werde ich in diesem Text analysieren wie sich an das Thema in verschiedenen fiktionalen Werken herangetastet wird.
Die Frage was ein Gott ist, kann laut dem Wörterbuch von Oxford languages zwei mögliche Antworten haben. In einem religiösen Kontext wird Gott als das höchste, gedachte überirdische Wesen definiert, in einem mythologischen Sinn bedeutet es lediglich ein übernatürliches Wesen, das in Menschengestalt auftritt und als Verkörperung einer Naturgewalt oder höheren Macht fungiert. Beide Betrachtungsweisen vereint, dass dieser Gott von den Menschen verehrt wird und sich meist durch Unsterblichkeit auszeichnet. Diese Definitionen allein geben allerdings noch keine aufschlussreiche Antwort darauf, welche Möglichkeiten es gibt, etwas oder jemanden als Gott zu interpretieren. In dem zuvor genannten Computerspiel “Outer wilds” existiert eine Entität, die einem Gott zumindest nahe kommt. Das “Eye of the universe” wird von einer Spezies genannt “Nomai” verehrt und vermutet, dass es vor dem Beginn des Universums bereits existiert hat und für die Kreation des Universums eventuell mitverantwortlich ist. Allerdings sind sich die Nomai nicht im Klaren darüber, ob es sich um ein Wesen mit Bewusstsein oder um eine physikalische Gewalt handelt. Später erfährt der Spieler, dass das Universum, in dem man sich zu der Zeit befindet, vor seinem Ende steht und ein neues geschaffen werden muss. Dies ist allerdings nur dadurch möglich, dass eine Lebensform mit Bewusstsein auf dem “Eye of the universe” landet und die Fülle der Möglichkeiten, die das neue Universum betreffen, betrachtet und sie durch diesen Vorgang auf eine Möglichkeit festlegt. Das “Eye of the universe” verhält sich wie ein Quantenteilchen und muss aus diesem Grund bewusst betrachtet werden, um seinen Aufenthaltsort auf eine mögliche Koordinate festzulegen. Damit hat es mit einem Gott, wie er in Religion und Mythos definiert wird, allerdings wenig gemein. Eine weitere Darstellung von Gott ohne einem Bewusstsein befindet sich in der Netflixserie “Dark”. Darin wird die Zeit explizit von dem Charakter “Adam” mit Gott gleichgesetzt. Die Zeit ist verantwortlich für die Existenz jedes einzelnen Lebewesens, Gegenstand oder Sachverhalt, den es im Universum gibt. Da die Zeit aber kein Bewusstsein besitzt, fehlt ihr die Fähigkeit aktiv auf eine Weise zu handeln, die den Menschen entweder hilft oder ihnen schadet. Das ewige Voranschreiten des Alterungsprozesses, Sterben und jede negative Handlung, die eine Person ausführt, wird nicht durch einen aktiv lenkenden Gott veranlasst, sondern von einer physikalischen Größe. Diese Darstellung von Gott als etwas nicht Bewusstes, das dennoch die Taten jeder Person lenkt und für die Entstehung des Universums verantwortlich ist, ist sehr interessant, da ein Gott dieser Art nicht für die Handlungen von Personen verantwortlich gemacht oder als Grund dafür genannt werden kann.
Wie könnte allerdings ein Gott aussehen, der ein Bewusstsein hat? In vielen Beispielen von religiösem Horror tritt der Teufel als bewusster Akteur auf, der für das Übel, das geschieht, verantwortlich ist. Doch was wäre wenn nicht Satan, sondern Gott als bedrohliche Gestalt, die den Figuren der Geschichte nichts Gutes will, auftritt? Vor Kurzem bin ich auf einen Kurzfilm gestoßen mit dem Titel “Portrait of God”. In dem Film geht es um eine Frau, die stirbt, weil sie Gott, in seiner wahren Gestalt, gesehen hat. Dabei ist mir aufgefallen, wie unheimlich Gott in dem Video dargestellt wurde. Er lächelte zwar, aber etwas an dem Lächeln und seinem gesamten Auftreten wirkte beklemmend. Als der Kurzfilm zu Ende war, ließ sich nicht einschätzen, ob es sich bei Gott um eine freundlich gesinnte Figur handelte oder nicht. Dies hat mich zum Nachdenken angeregt, denn in den meisten Fällen wird Gott als gutes Wesen charakterisiert, obwohl es keinen Grund dazu gibt, warum dies immer der Fall sein muss. Ich würde sogar behaupten, dass die Darstellung in dem Film, derjenigen in der Bibel näher kommt. Wenn man genauer nachdenkt, merkt man, dass der Gott in der Bibel, zwar immer als gut bezeichnet wird, allerdings gleichzeitig viele seiner Handlungen dagegensprechen und sich nie eindeutig sagen lässt, welche Beweggründe ihn tatsächlich motivieren und welche Gedanken er hegt. Er erscheint als ein Wesen, das über den Menschen steht und aus diesem Grund für diese unbegreiflich bleiben muss, aber gleichzeitig auch von ihnen verehrt werden soll, ohne seine Handlungen hinterfragen zu dürfen.
Unabhängig davon welche Darstellung man wählt, scheint eine Gemeinsamkeit zwischen einem Gott mit als auch einem ohne Bewusstsein zu sein, dass es Personengruppen gibt, die diesen Gott anbeten. Dies gibt einem eine Vielzahl an interessanten Möglichkeiten der Behandlung des Themas. Denn was wäre, wenn nur dadurch seine Macht erst entsteht. Diese Idee existiert bereits seit einer langen Zeit in den Köpfen der Menschen. Der Gott kann den Lebewesen gegenüber positiv oder negativ gesinnt sein, er kann ein Bewusstsein haben oder nicht. Wichtig ist dabei lediglich, dass es Personen gibt, welche an ihn glauben und ihn als etwas Positives wahrnehmen. In Neil Gaimans “American God” entsteht die Existenz und die Macht aller Götter allein dadurch, dass die Menschen an jene glauben. Dabei stehen die alten Götter der Mythologie den modernen Göttern Medien, Technologie oder Geld gegenüber. Auch diese erhalten erst durch die Verehrung durch Menschen ihre Macht. Es scheint die eine Konstante zu sein, die jegliche Art von Gott auszeichnet. Ob es sich um den Schöpfer aus der Bibel handelt, um ein Wesen aus einer antiken Mythologie, um eine bedrohliche und gefährliche Entität oder um ein Phänomen ohne bewusstes Denken, alle erhalten ihre Macht über die Menschen, weil die Menschen ihnen diese Macht erst zukommen lassen. Somit ist das die Antwort auf die, zu Beginnn gestellte, Frage, was einen Gott charakterisiert.

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